1. Vorgeschichte KIRMES - da ging doch was?! In Charlotte Roches Sendung Fast Forward legten die Jungs von Kirmes eindrucksvoll die Scorpions-Pyramide (!?!) hin, die Visions adelte ihre Platte "Video" als das "vielleicht wichtigste deutschsprachigen Album des Jahres", zwei Videos der Band liefen bei Viva 2 in Rotation, das Feuilleton der TAZ verlieh Sänger Kir Royal anerkennend die "Goldene Wanderananas" für das behämmertste Pseudonym der Saison und Kollege Ruff vom Rolling Stone urteilte: "Wer sich zwischen Velvet Underground und deutschem Hip-Hop nicht entscheiden kann, der sollte es einmal mit Kirmes versuchen."
2. Jetztzeit Nach ihrem ersten Husarenstreich "Video" und dessen nicht minder gefährlichem Nachfolger "Summer Games" liegt nun Teil 3 der Kirmes-Trilogie vor: "Make it and Break it". Die Aufgabenteilung ist geblieben: Kir Royal ist für den sonoren Sprechgesang, Hermes für den Sound zuständig. Und immer noch steht ihr Schaffen im Zeichen ihrer musikalischen Rummelplatz-Philosophie: Aus Gitarrenwänden dröhnen Testosteron getränkte Power-Chords, verstaubte Schweine-Orgeln spielen dazu kleine süße Melodien, Bassläufe streicheln liebevoll die Ohren und die gute alte Wandergitarre sorgt bei Bedarf für ein authentisches Campingplatz-Feeling. Auch Bottleneck-Riffs, Human-Beat-Box-Einlagen, Kaffeemühlen und Wasserkocher geben ihr Bestes und tragen mannschaftsdienlich zum Gelingen bei. Bei all dem Trubel, der sich beim Rundgang durch die 14 Songs des Albums einstellt, sorgt die Stimme von Kir Royal mit ihrem hohem Wiedererkennungsfaktor stets für den größeren Zusammenhang. Freilich lässt sich auch Kir Royal nicht lumpen und beweist eindrucksvoll, dass auch er "links wie rechts" kann: Mal wickelt er uns gekonnt mit seiner wohligen Wellness-Stimme ein, mal nörgelt er weltmeisterlich, mal singt er pompös aufgeschichtete Refrains oder berichtet dem staunenden Zuhörer beinahe teilnahmslos von skandalösen Ereignissen und Zusammenhängen. Kir Royal weiß eben, dass in Schlüters Boxbude ein anderer Umgangston herrscht als am Süßigkeitenstand. Ein auffälliges Feature der Platte ist, dass sie verdammt noch mal handlungsstark ist. Man hört Geschichten über amouröse Abenteuer im Beatkeller, Freud und Leid eines Touristen auf dem Lande, tollkühne Notlandungen eines führerlosen Passagierjets und kriminelle Verstrickungen eines Handlungsreisenden in Sachen Investment-Banking. Auch finden traurige politische Weisheiten angemessen ihren Platz: Nazis haben kleine Pimmel und sind Scheiße. Der Postmoderne sei es geschuldet, dass der kapitalistische Anti-Held des Titelstücks "Make it and Break it" im gleichen Flugzeug sitzt, das zwei Stücke zuvor von einem heroischen Philanthropen vor dem Absturz gerettet wurde. So klein ist die moderne Welt.
3. Ausblick Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass auch das Leben eine verdammt große Kirmes ist. Und das ist wohl auch der Grund, weshalb die beiden Jungs zu gleichen Teilen den Autoscooter-Freak, Zuckerwatten-Träger und Doppel-Loop-Gänger bedienen.
Kirmes sind:
| Kir Royal |
Sprechgesang |
| Hermes |
Sound |
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